20. August 2026 / Nr. 22
Am Abend des 18. August 2026 hat ein Polizeibeamter in München-Schwabing auf den 14-jährigen Abdulkadir Ö. geschossen und schwer verletzt. Der Jugendliche befindet sich weiterhin in medizinischer Behandlung. Die Informationsstelle Antikurdischer Rassismus – IAKR fordert eine umfassende und unabhängige Aufklärung.
Die Polizei rechtfertigt den Schuss damit, dass Abdulkadir Ö. eine angeblich täuschend echt aussehende Softair-Waffe bei sich geführt und sich nach der Aufforderung, sie fallen zu lassen, mit erhobener Waffe zu den Beamten umgedreht haben soll. Belege, die diese Version stützen würden, liegen nicht vor. Die Familie widerspricht ihr entschieden. Nach ihren Angaben hatte Abdulkadir Ö. die Spielzeugwaffe bereits abgelegt und mehrfach lautstark gerufen, dass es sich um eine solche handele, bevor der Schuss fiel. Der schwer verletzte Jugendliche sei anschließend am Boden fixiert, mit dem Fuß auf den Oberkörper gedrückt, gefesselt und dabei beschimpft worden. Erst mit Eintreffen des Rettungswagens seien ihm die Handschellen abgenommen worden. Fragen wirft auch der Umgang mit den Angehörigen auf. Obwohl sich Abdulkadirs Ö. Mobiltelefon bereits im Besitz der Polizei befand, blieben ihre wiederholten Anrufe unbeantwortet. Von der schweren Verletzung ihres Sohnes erfuhren sie erst durch Dritte.
Der genaue Hergang ist bislang nicht unabhängig geklärt. Die Angaben der Polizei dürfen daher nicht ungeprüft zur alleinigen Grundlage der öffentlichen Bewertung werden, wie es in Teilen der Berichterstattung geschehen ist. Hinzu kommt, dass zunächst von einem etwa 20-jährigen Mann die Rede war, obwohl es sich um einen 14-jährigen Schüler handelt.
Gegen den schwer verletzten 14-Jährigen soll wegen einer mutmaßlichen Bedrohung der Polizeibeamt*innen nun sogar ermittelt werden, während gegen den Beamten, der auf ihn geschossen hat, zunächst kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sein soll. Sollte dies zutreffen, wäre es eine klare Täter-Opfer-Umkehr.
Wir haben die Münchner Polizei mit einem Katalog konkreter Fragen zum Ablauf des Einsatzes, zum Umgang mit dem verletzten Jugendlichen und seinen Angehörigen, zur öffentlichen Kommunikation sowie zum Stand des Verfahrens um Stellungnahme gebeten. Über den Fortgang werden wir berichten.
Mit freundlichen Grüßen
Informationsstelle Antikurdischer Rassismus – IAKR e.V.
